30 Jahre Kunstmuseum Singen: Interview

Das Kunstmuseum feiert Geburtstag! Am 8. Mai 1990 offiziell eröffnet, ist es längst zu einem der führenden Museen im westlichen Bodenseeraum geworden…

TV3 – Roswitha Bosch: Gutenmorgen, Herr Bauer! Als Museumsleiter dürfen Sie zu Recht stolz auf ihr Haus sein. Lassen Sie uns gemeinsam die Entwicklung des Kunstmuseum Singen beleuchten. Die Sammlung profitierte in den Nachkriegsjahren vom Engagement einzelner Personen und der Stadt. Seit den 80er Jahren wuchs der Wunsch nach einer Möglichkeit, sie den Bürgern zugänglich zu machen.
Christoph Bauer:  Die mehr als 100-jährige Sammlung besteht aus den Schwerpunkten: Landschaft Hegau und Bodensee, Exil am Bodensee – Höri-Künstler von 1933-1960, Kunst der Moderne aus dem Südwesten Deutschlands und Gegenwartskunst. Sie wuchs ständig und obwohl die Verantwortlichen die Notwendigkeit größerer Räume klar erkannten, dauerte es noch bis 1990 bis zur Verwirklichung eines kommunal getragenen Kunstmuseums mitten in der Innenstadt. 2013/14 folgten der Umbau und die räumliche Erweiterung.

TV3: Waren es vorwiegend die unzulänglichen räumlichen Gegebenheiten, die Probleme machten?
C.B.: Was uns damals zu schaffen machte, war die unzureichende Größe und Ausstattung des vorhandenen Depots, als auch die fehlende Klimatisierung der Ausstellungsräume und Kunstlager. Tatsächlich platzte das alte Depot aus allen Nähten und es zeigten sich erste Schäden an den längst zu „alten, pflegebedürftig gewordenen“ Werken der „Höri-Künstler“. Auch verweigerten Leihnehmer zunehmend angefragte Leihgaben, da das Museum die im internationalen Ausstellungsverkehr heute üblichen Richtwerte für Temperatur, Feuchte, Lichtstärke und Sicherheit nicht kontinuierlich zusichern konnte. Erschwerend hinzu kam im April 2012 ein Wassereintritt ins Depot, der, obgleich kein Kunstwerk geschädigt wurde, die Unzulänglichkeit des vorhandenen Raumes deutlich vor Augen führte.

TV3: Sie waren ja immer schon der festen Überzeugung, dass die Zukunft der Museen in den Depots liegt!! Ich war dabei, als Sie im Januar 2013 einigen Gemeinderatsmitgliedern eine Grafik von Karl Möritz zeigten, die so verblasst war, dass Sie ein nahezu leeres Blatt in Händen hielten – da wurde ersichtlich, was unzureichende Voraussetzungen mit den Kunstwerken anrichten können.
C.B.: Der Gemeinderat, unser OB und die Kulturverwaltung haben im Februar 2013 für die Erweiterung und Sanierung des Städtischen Kunstmuseums optiert. Dafür bin ich heute noch dankbar! Die Fläche des neuen Depots wurde von 90 auf 142 Quadratmeter fast verdoppelt. Für die weitere Zukunft des Museums von grundlegender Bedeutung waren die Entscheidungen zur Lagerung der Kunstwerke in neuen Depots. Schließlich soll die wertvolle, den Bürgern der Stadt allein gehörende Sammlung für die Nachwelt gesichert und sowohl der Forschung wie auch für zukünftige Ausstellungen zur Verfügung stehen.

TV3: Wichtig war auch die Außenwirkung der Räumlichkeiten…
C.B.: Ja, eine große Herausforderung war der gesamte Umbau der beiden Etagen in ein modernes Museum, das sowohl für große Ausstellungen geeignet sein sollte, aber auch den Ausstellungsbesuchern alle Annehmlichkeiten wie Besucherfoyer, Caféteria, Garderobe, Toiletten, Teeküche, Informationstheke usw. bietet. Schnell war klar, dass diese Räume im Erdgeschoß angeordnet werden. Selbstverständlich sollte der Zugang in das neue Kunstmuseum behindertengerecht gestaltet sein.

TV3: Die erste Ausstellung nach dem Umbau war ein unglaublicher Erfolg…
C.B.: Mit der Ausstellung „WIEDER DA! Kunst in neuen Räumen.“ wurde die feierliche Wiedereröffnung des Kunstmuseums mit 450 geladenen Gästen gefeiert. Zwei Tage der Offenen Tür für alle Singener Bürger und zahllose Besucher aus nah und fern folgten. Fast die gesamte Kunstszene der Region fand sich ein, Prominenz und Freunde des Hauses – und alle zeigten sich gleichermaßen begeistert.

TV3: Seit der Eröffnung zeigte das Haus 210 Sammlungs- und Sonderausstellungen, wurden die Ausstellungen des Hauses 200.000 Mal besucht, war das Museum Initiator oder Partner unzähliger Veranstaltungen und Projekte sowie „Basisstation“ für Kunstprojekte im öffentlichen Raum.
Anlässlich des Jubiläums zum 30jährigen Bestehen findet zum Auftakt des Ausstellungsjahres 2020 die Ausstellung „30 Jahre. Kunstmuseum Singen.“ statt. Diese Jubiläumsschau (22. März bis 7. Juni 2020) vereint auf beiden Etagen des Museums Hauptwerke aus der städtischen Kunstsammlung und Neuzugänge der letzten Jahre und vermittelt das mit großem Engagement Erreichte in den Bereichen Sammlungserweiterung, Sammlungsaufbau und Ausstellungswesen.

Wegen der Corona-Pandemie konnte die Jubiläumsausstellung „30 Jahre. Kunstmuseum Singen.“
noch nicht eröffnet werden – ein neuer Termin wird baldmöglichst bekannt gegeben.


KUNSTMUSEUM SINGEN • Ekkehardstraße 10 · 78224 Singen
Telefon 07731 85-271 • www.kunstmuseum-singen.de

Museumsleitung: Christoph Bauer
Museumsleiter Christoph Bauer