Porto Venere: Hafen der Venus

1997 wurde der malerische Ort zum UNESCO-Welterbe erklärt –
Die Römer weihten diesen Ort der Göttin der Schönheit …

Porto Venere ist eine italienische Gemeinde in der zur Region Ligurien gehörenden Provinz La Spezia. Sie hat eine Fläche von 7 km² und ca. 3510 Einwohner. Seit 1997 gehört Porto Venere zusammen mit Cinque Terre sowie den nahe gelegenen Inseln Palmaria, Tino und Tinetto zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der kleine Ort und der noch kleinere Sandstrand gruppieren sich um den geschützten Hafen, der als „Veneris Portus“ (Hafen der Venus) spätestens seit der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. der Göttin der Schönheit und der Liebe geweiht war.

So schlicht und sachlich berichtet Wikipedia von dem kleinen Hafen, umrahmt von pittoresken, pastellfarbigen Häusen, die nur so breit sind, dass der Raum dahinter mit einem oder zwei Fenstern vorlieb nimmt! Umrahmt wird die malerische Szenerie von einer gut erhaltenen Wehranlage mit Zinnen und Wachtürmen, die den steilen Hügel hinaufklettern zum Castello Doria, das zu Ehren des Genueser Admirals und Machthabers Andrea Doria so benannt wurde. Wer die steilen, mit Treppen verbundenen Wege dort hinauf klettert, wird mit einem traumhaften Blick auf das türkisblaue Meer, den kleinen Hafen und die gegenüber liegende Insel Palmaria belohnt! Die beiden antiken Kirchen, San Pietro (1256–1277 errichtet) und San Lorenzo (1116–1494 erbaut) entzücken wohl jeden historisch und kulturell interessierten Italienreisenden.

Der Genueser Fahne, mit dem roten Georgskreuz auf weißem Grund, begegnet man in Porto Venere auf Schritt und Tritt; wurde der Ort doch als genuesische Hafenfestung gegründet. Sie hängt vom Fensterbrett eines Wohnhäuschens, durch einen Blumentopf gegen den Wind beschwert, weht stolz vom offiziellen Fahnenmast, schmückt kleine Boote und teure Yachten und lockt im Andenkenladen in verschiedenen Größen zum Kauf.

Wie viele geschützte Häfen des Mittelmeers hat auch Porto Venere sicherlich Kriegslärm und Siegesgeheul erlebt – aber davon ein anderes Mal. Eines ist jedoch vielleicht noch interessant: Während der Flucht und illegalen Einwanderung europäischer Juden nach Palästina zwischen 1945 und 1948 wurden in Porto Venere mehrere Flüchtlingsschiffe für die Aufnahme großer Passagierzahlen umgebaut, darunter die United Nations und die Exodus; der Umbau fand wohl deshalb genau hier statt, weil der Hafen so versteckt liegt, dass die Kriegsschiffe der Briten es nicht einmal bemerkten, als der Kapitän der Exodus das Schiff bei Nacht und Nebel ins offene Meer steuerte. Auch dieser idyllische Ort ist von den Schrecknissen der Zeitläufte nicht verschont geblieben.

Es gibt nur eine autofreie Straße am Meeressaum entlang, aber viele schma-le und steile Treppen, die den unteren Bereich mit den zahlreichen Restaurants und Cafés mit der einzigen „Geschäfts-Straße“ oben, der Via Capellini verbinden. Dort reiht sich Lädchen an Lädchen, manche nur wenige Quadratmeter groß, mit abenteuerlichen Deckenbalken, es gibt schöne Lokale, sogar ein Geschäft mit einheimischen Parfum und dazwischen stehen Haustüren offen, in denen eine Treppe in den oberen Stock führt. Besonders gut gefallen haben mir die Bäckerei mit den aromatischen Limonenkeks. Hausgemachte Pesto wird als „Versucherle“ mit Weißbrotstückchen über die Straße gereicht – und der Rotwein schmeckt nach Sonne!

Die Ausstellung stand unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters von Porto Venere, Matteo Cozzani – der auch das Vorwort im Katalog beisteuerte. Drei Fotografen aus der Region, Enrico Landi, Federico Pieraccioni und Alessandro Piermatteo stellten dort ihre besten gerahmten Fotografien aus. Ein absoluter Glücksfall; denn alle Motive entstammten der unmittelbaren Umgebung. Enrico, der mich durch die Ausstellung führte, fotografiert ausschließlich in Schwarz/Weiß. Er spielt aber so gekonnt mit Licht und Schatten, dass ich mir kurz vor meiner Abreise die Bilder nochmals ansehen musste. Sehr spannend fand ich auch die Fotos seines Kollegen von der Insel Palmaria, die noch gut erhaltene Einrichtungen des alten Steinbruchs zeigen. Hier wurde der schwarze Kalkstein Neri Portero abgebaut: die Fotos zeigen verfallende Arbeiterwohnungen und ein altes Förderkorb-System, um die Steine zu transportieren. Auf Palmaria leben etwa 50 Menschen, die Insel ist nur mit dem Boot erreichbar – es gibt einige schöne Wandertouren. Auf der westlichen Seite sind Überreste menschlicher Gräber gefunden worden, die 5000 Jahre als sein sollen.

Text und Fotos: © Roswitha Bosch