UNESCO-Weltkulturerbe –

Insel Reichenau (2000) und Marktplatz in Marrakesch (2001)

Das UNESCO-Weltkulturerbe wird den Bewohnern der Bodenseeregion bekannt sein; denn die Klosterinsel Reichenau, die größte Insel im Bodensee, ist sei zwanzig Jahren auf der UNESCO-Liste des Welterbes verzeichnet.
Mehr unter: https://www.denkmalpflege-bw.de/denkmale/unesco-welterbe/reichenau-am-bodensee/

Schauen wir nun in den Süden, nach Marokko – auf den zentralen Marktplatz Djemaa el-Fna in Marrakesch, den „Platz der Gehenkten“ – die Sultane der Almohaden sollen den Platz als Hinrichtungsstätte genutzt haben.

Am 4. Juli 2001 veröffentlichte DIE WELT ein Interview mit dem Schriftsteller Juan Goytisolo mit dem Titel „Von der allmählichen Rettung der Riten“. Fünf Jahre lang setzte er sich dafür ein, dass die UNESCO nicht nur wie bisher materielles Weltkulturerbe schützt, sondern die Institutionalisierung des oralen Weltkulturerbes anerkennt.

Der damals 70-jährige spanische Schriftsteller, der nahe dem Markplatz in Marrakesch lebt erklärt, warum dieser Schutz so wichtig ist:

„Das orale Weltkulturerbe ist entweder ein Ort, an dem sich eine einzigartige künstlerisch-artistische Tradition vollzieht. Oder eine kulturelle oder sprachliche Gruppe, die vom Aussterben bedroht ist. Es gibt 3000 Sprachen, die manchmal nur von wenigen hundert Menschen gesprochen werden. Es sind aber nur 106 Alphabethe überliefert, lediglkeich 78 Sprachen haben eine eigene Literatur. Wenn wir in Betracht ziehen, dass etwa seit 50 000 Jahren Sprache existiert, die ersten schriftlichen Zeugnisse, die Sumerer-Tafeln, aber 3500 vor christus entstanden, dann darf man annehmen, dassdas orale Kulturerbe etwa zehnmal so groß ist wie das schriftlich überlieferte.“ (Zitiert aus: www.welt.de/103507765)

Wir veröffentlichen zwei Panorama-Fotos dieses Platzes, die zwar nicht mehr neu sind, aber ein gutes Stimmungsbild abgeben: Djemaa el-Fna am späten Nachmittag und am Abend.

Der Marktplatz Djemaa el-Fna am Nachmittag… © Luc Viatour, CC BY-SA 2.5 generisch

Juan Goytisolo (einer meiner Lieblingsschriftsteller) hat sich mit diesem Platz intensiv befasst. Ein kurzer Textauszug anbei aus

„Engel und Paria“, Suhrkamp (1995) – S. 180/181:

„… von der Erzählung leben, buchstäblich: einer Erzählung, die nichts anderes ist als die unendliche Geschichte, schwereloses Schallgebäude […] Tuch der Penelope,Tag um Nacht gewebt und aufgetrennt: Sandburg, sachte fortgespült vom Meer dem stets nach Geschichten fiebernden Publikum ein bekanntes Thema bieten: die Spannung halten durch wache Phantasie: bei Bedarf auf die Finten und Tricks des Pantomimen zurückgreifen: alle Stimmregister ziehen, vom Baß bis zum Tenor
die Zuhörer bilden einen Halbkreis um den Verkäufer von Träumen, schlürfen seine Sätze mit hypnotischer Andächtigkeit, geben sich ganz dem Schauspiel […] hin: trappelnde Hufe, brüllende Raubtiere, heulende Gehörlose, fistelnde Greise, donnernde Riesen, jammernde Frauen, wispernde Zwerge: zuweilen unterbricht er dei Erzählung auf dem Höhepunkt, und in den Gesichtern der staunenden Kinder zeichnet sich, im unschlüssigen Licht des Lämpchens, Unruhe ab:…“

Fotos: © de.wikipedia.org

Beitragsbild : © Boris Macek CC BY-SA 3.0