Schloss Chillon – Wasserburg im Genfer See

Älteste sichtbare Bebauungen stammen aus dem 11. Jahrhundert

Meistbesuchtes historisches Gebäude in der Schweiz

5070 qm mißt die Felseninsel, auf der das Schloss Chillon erbaut wurde; damit ist sie die größte der sechs Inseln im Genfer See. Im Jahr 2017 kamen 405.000 Besuchende hierher, die gut erhaltene Wasserburg ist das meistbesuchte historische Gebäude der Schweiz. Die enge Durchgangsstelle bei der Burg zwischen
dem See und steil aufragenden Bergen erleichterte die Kontrolle der Strasse von Lausanne zum Grossen
St. Bernhard und über den Simplonpass. An dieser Stelle lag im Mittelalter eine äußerst ertragreiche Zollstation.

Der Felsen, den das Schloss Chillon vollständig einnimmt, war bereits in der Bronzezeit bewohnt. Auf der Landseite der Festung liess Peter II. von Savoyen bereits 1255 drei halbrunde Türme bauen, die im 14. und 15. Jahrhundert weiter ausgebaut wurden. Die ständigen Umbauten lohnten sich: Von hier konnte der Schiffsverkehr auf dem Genfersee und der bedeutende Landweg entlang des Sees zum St. Bernhard-Pass beherrscht und mit Zöllen belegt werden.

Das Schloss wurde 1536 bei der Eroberung der savoyischen Waadt von den Bernern eingenommen, nachdem sie 60 Jahre zuvor unverrichteter Dinge hatten abziehen müssen. Diesmal floh die Besatzung in den See. Dabei befreiten die Berner François Bonivard (1496–1570), den Prior aus Genf, der wegen seines Eintretens für die Reformation und die Unabhängigkeit Genfs von den Savoyern sechs Jahre zuvor eingekerkert worden war.

Lord Byrons berühmtes Gedicht, „Der Gefangene von Chillon“ befasst sich mit diesem Thema, nachdem er 1816 die Burg besucht hatte. Die Säule, an die Bonivard jahrelang gekettet war, kann in den Gefängnis-räumen an der Seeseite der Burg besichtigt werden.

Nach der Eroberung war das Schloss bis 1733 Sitz der bernischen Landvögte von Chillon. Seit 1798 ist es im Besitz des Kantons Waadt, der es unter anderem als Zeughaus, Waffenlager, Invalidenhospital und auch als Gefängnis benutzte. In den Gefängnisräumen mit ihren ungewöhnlichen Kreuzrippengewölben sind auch die Wachstube und ein Galgen erhalten.

Beitragsbild: Innenhof mit königlicher Garde – Foto: © Ronny Perraudin

Weitere Fotos mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung:
Bild mit doppeltem Wehrgang und rundem Turm: (c) Sarah Vez
Vier Burgenbilder: Frühjahr, Sommer Herbst, Winter: (c) Stephan Engler
Alle weiteren Bilder: (c) Ronny Perraudin
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